Selected authors share their theoretical discussion and examination about the exhibition’s concept and development. Furthermore, news from the exhibition rooms will be published here

Dirk von Gehlen

"Culture turns into software", quotes Dirk von Gehlen in his current book "Eine neue Version ist verfügbar". That's why the author and Der Greif are happy about the future cooperation on the exhibition "A Process". Dirk proposes the hypothesis that nowadays it's no longer only about products, but about their development process. More info about Dirk von Gehlen on www.digitale-notizen.de and on Twitter via @dvg

Articles by Dirk von Gehlen

Der Greif – Exhibition as a Process [Part 2]

May 14th, 2014Author:

Because it is anyway coming up, the author Cory Doctorow once answered. Due to the monstrosity of the copy, development versions are now storable and available. Handling these versions publicly – like Wikipedia does – shows: They contribute to the quality of the digital product. What would be considered a sign of weakness in the print world, serves as insignia of quality in the digital world: The readers can see for themselves.

That this literally contains an artistic dimension can be seen in the Neue Galerie in Augsburg as well as on the website of A Process: The exhibition organizers unfold the versions of their exhibition. Just as one can browse different article versions in Wikipedia, so one can browse different combinations of the exhibited photographs in the exhibition’s digital timeline. Under the surveillance of a webcam, new combinations of the exhibited pictures are constantly displayed on the central table in the exhibition room – providing the photographs with new contexts and allowing ever new perceptions through the versioning of combinations.

Following this versioning, one quickly realizes its artistic dimension: Visitors become participants in the exhibition, they compare and judge versions and relate images. And this is the second basic principle of the digital world: It is a dialogue; consumers are given a voice, taking part, playing a role. In Wikipedia, each and every one can edit. Because it is technically feasible.

A Process is not edited by each visitor, but every visitor (of the website or the exhibition) establishes his own context of perception – thus playing an obvious role. And playing that role, he can also answer the question for the why. My version is clear: Because it is the most contemporary form to present art.

Note: Dirk von Gehlen writes about the exhibition of Der Greif also on his Blog digitale-notizen.de
Part 1 of the translation of his text can be read here.

Der Greif – Exhibition as a Process [Part 1]

May 14th, 2014Author:

The fascinating thing about exhibitions is their presence: Hanging up pictures produces dominance. The combinations on the wall carry a force of the factual that is accepted by the visitors – before judging. What is exhibited is given – is done and dusted. But: For how long? And: For whom?

These are the very questions raised by A Process – yet in the presence-based system of an exhibition. That is indeed important because what is exhibited is given – and judged only afterwards. Only after understanding what A Process does, one should ask why it does so. Because only then one will understand that A Process is the artistic attempt to make one of the basic conditions of digitalization graspable and understandable.

What is presently exhibited in Augsburg is a Wikipedia for photography. And this is not to be confused with an encyclopedia or lexical library. Wikipedia as well as A Process are about an underestimated aspect of digitalization: It is all about the version. Thanks to the historical monstrosity of the digital copy, humankind is able to produce versions of digitized artwork: as mashup or remix after its release, and beforehand as the documented process of creation. The latter brought the downfall of the then minister of defense: In the GuttenPlagWiki, everyone could track how he worked.

The concept of an online version of lexica turns the standards of the print world upside down by displaying the history of each contribution. One can browse different versions of an article and thus trace its development. In the print world, this would not only be impossible but also regarded as a weakness. Why should anyone reveal more than the one final artwork that is to be published?

Note: Dirk von Gehlen writes about the exhibition of Der Greif also on his Blog digitale-notizen.de
Part 2 of the translation of his text is here.

Der Greif – Eine Ausstellung als Prozess [Teil 2]

April 14th, 2014Author:

Weil es eh anfällt, hat der Schriftsteller Cory Doctorow darauf mal geantwortet. Denn durch die Ungeheuerlichkeit der Kopie sind plötzlich Entstehungsversionen speicher- und auch verfügbar. Und wenn man mit diesen öffentlich umgeht – wie es die Wikipedia tut – stellt man fest: Sie tragen zur Qualität des digitalen Produkts bei. Was in Print als Schwäche gelten würde, ist im Digitalen Ausweis von Qualität: Der Leser kann sich selber ein Bild machen.

Dass darin im Wortsinn eine künstlerische Dimension liegt, kann man in der Neuen Galerie in Augsburg und auf der Webseite von Ein Prozess derzeit beobachten: Die Ausstellungsmacher legen die Versionen ihrer Ausstellung offen. So wie man in der Wikipedia in Artikelversionen springen kann, kann man in der Ausstellungs-Timeline in Kombinationen der ausgestellten Fotos springen. Auf dem zentralen Tisch im Ausstellungsraum werden unter Beobachtung einer Webcam ständig neue Kombinationen der ausgestellen Bilder gelegt – so erscheinen die Aufnahmen in neuen Kontexten, die Versionierung der Kombination erlaubt ständige neue Zugänge.

Wer das verfolgt, bemerkt schnell die künstlerische Ebene dieser Versionierung: Denn der Besucher wird so zum Teilnehmer der Ausstellung, er vergleicht Fassungen, bewertet Versionen, stellt Zusammenhänge her. Und dies ist das zweite Grundprinzip des Digitalen: Es ist ein Dialog, der Konsument bekommt eine Stimme, nimmt teil, spielt eine Rolle. Jede und jeder kann in der Wikipedia editieren. Weil es technisch möglich ist.

Ein Prozess wird nicht von jedem Besucher editiert, aber jeder Besucher (der Website und der Ausstellung) erstellt seinen eigenen Rezeptionskontext – und spielt somit erkennbar eine Rolle. Und aus der heraus kann er dann auch die Frage nach dem Warum beantworten. Meine Version ist klar: Weil es die zeitgemäßeste Form der Kunst-Präsentation ist.

Anmerkung: Dirk von Gehlen schreibt über die Ausstellung von Der Greif auch auf seinem Blog digitale-notizen.de
Teil 1 seines Textes kann hier nachgelesen werden.

Der Greif – Eine Ausstellung als Prozess [Teil 1]

April 7th, 2014Author:

Das Faszinierende an einer Ausstellung ist ihre Präsenz: Wer Bilder hängt, erzeugt damit Dominanz. Von der Kombination an der Wand geht eine Kraft des Faktischen aus, die der Besucher akzeptiert – und dann erst bewertet. Was ausgestellt wird, ist da – ist abgeschlossen und fertig. Nur: Wie lange? Und: für wen?

Ein Prozess stellt genau diese Fragen – allerdings in dem Präsenz-System einer Ausstellung. Das ist wichtig, denn was ausgestellt wird, ist da – und wird erst danach bewertet. Erst wenn man verstanden hat, was Ein Prozess macht, sollte man fragen, was das eigentlich soll. Denn nur dann wird man verstehen, dass Ein Prozess den Versuch unternimmt, eine der Grundbedingungen der Digitalisierung künstlerisch greif- und verstehbar zu machen.

Was in Augsburg gerade ausgestellt wird, ist eine Wikipedia für Fotografie. Und wer dabei an eine Enzyklopädie oder an eine lexikalische Sammlung denkt, liegt falsch. Bei der Wikipedia geht es wie bei Ein Prozess um den unterschätzten Aspekt der Digitalisierung: Es geht um die Version. Durch die historische Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie ist die Menschheit in der Lage, Versionen von digitalisierten Kunstwerken zu erstellen: Nach der Veröffentlichung als Mashup oder Remix und vor der Veröffentlichung als dokumentierter Entstehungsprozess. Im GuttenPlagWiki brachte Letzteres den damaligen Verteidigungsminister zu Fall: Man konnte nachvollziehen wie er gearbeitet hatte.

Das Prinzip der Online-Idee eines Lexikons dreht die Maßstäbe der Printwelt um: Es macht die Versionsgeschichte eines jeden Beitrags sichtbar ist. Man kann zu unterschiedlichen Fassungen eines Artikels springen und somit seine Entstehung nachvollziehen. Auf Papier wäre das nicht nur nicht möglich, es würde auch als Schwäche ausgelegt. Warum sollte man mehr zeigen als das eine endgültige Kunstwerk, das man veröffentlichen will?

Anmerkung: Dirk von Gehlen schreibt über die Ausstellung von Der Greif auch auf seinem Blog digitale-notizen.de
Teil 2 seines Textes folgt gegen Ende der Woche auf dem Ausstellungs-Blog.